Auf Abwegen? – Mit magischem Touch

Während die Presse ein eher positiv gestimmtes Feedback zum neuen MacBook Pro niedergeschrieben hat (so jedenfalls mein grundsätzliches Resümee) geht es in (V)Blogs und YouTube-Kanälen schon kritischer zu. Und diese stimmen sollten keineswegs ignoriert werden, so sind sie doch eine Zielgruppe des MacBook Pro. Die Pro-Produkte stehen in meinen Augen für die Käufer, welche mit dem Gerät Geld verdienen wollen.

Es wird der Arbeitsspeicher kritisiert, welcher sich maximal 16 GB begrenz, die Anschlüsse, die Touchbar, der Preis und einige Kleinigkeiten.

Arbeitsspeicher zu wenig? Für einige vielleicht, für die meisten jedoch nicht. Das haben Tests gezeigt. Ein Test, den ich auf die schnelle nicht wieder finde, zeigte dass viele bekannte Pro Apps geöffnet wurden und der Arbeitsspeicher dennoch nicht ausgelastet war. Sicherlich nicht objektiv, vermittelt aber einen Eindruck.

Die Touchbar: ich glaube so offensiv wie sie beworben ist, ist sie der größte Streitpunkt. Die meisten können wohl nach einer Eingewöhnung mit den gestrichenen Funktionstasten leben. Apple hat das System mit dem „Control Strip“ recht gut gelöst und damit einen passablen Ersatz geschaffen. Benutzerdefinierte Einstellungen tun den Rest. Die Hauptfrage ist aber wohl jedoch, wie weit wird die Touchbar genutzt? Wird sie von Pros genutzt, welche die meisten Tastenkürzel eh kennen? Wer nutzt die Autokorrektur/Wortvorschläge wenn man einen Text schreibt? Ich konnte das MacBook Pro testen und kann in diesem Punkt sagen, dass ich schneller schreibe (in Safari, WordPress), als die Touchbar mit den Korrekturen bzw. Vorschlägen hinterherkommt. Ich glaube nicht dass das so sein sollte. Nach meinem kurzen Test kann ich sagen – vieles ist ganz nett und wird natürlich benutzt weil es neu ist. Wird es auch in einem dauerhaften Einsatz benutzt? Das kann nur die Zeit zeigen.

Der Hauptkritikpunkt sind die weggefallenen Anschlüsse. Aufpreise von mehr als 200 Dollar werden hingerechnet, um einen gleichwertigen Ersatz zu schaffen. Das halte ich für Schwachsinn. Nicht jeder benötigt alle Anschlüsse und daher braucht auch nicht jeder alle Adapter. Für mein Setup würde ein einfacher USB-C auf Standard-USB Adapter für derzeit 9,00 USD/EUR ausreichen. AC W-Lan machen Ethernet unnötig und die Kamera meiner Wahl ist schon seit Jahren das iPhone. Ich bin mir bewusst, dass ich vielleicht nicht die breite Masse repräsentiere, aber bestimmt viele potentiell angesprochene Käufer.
Es ist nicht das erste Mal, dass Apple einen Aufschrei für das weglassen – für die Zukunft – provoziert. Weiß noch jemand was ein Disketten- oder CD-Laufwerk ist? Erinnert sich jemand daran, dass das iPhone mal einen Kopfhöreranschluss hatte?
USB-C kann denke ich einen richtigen Schritt in die Zukunft des IO sein, wie wir es kennen – es vereinfachen. Wie toll wäre es, wenn jedes Gerät, egal ob eine Festplatte, ein Monitor oder einfach nur Strom über dieselbe Schnittstelle angeschlossen werden können? Es wäre toll und Apple hat hier einen richten Schritt in die richtige Richtung vorgelegt. Das funktioniert natürlich nur, wenn andere hier nachziehen und ebenfalls USB-C als Standard etablieren.

Dann gibt es noch den Preis. Hier musste ich bei der Vorstellung der Geräte schlucken. Es ist sehr teuer geworden – wenn ich die alten Preise gegenüberstelle, aber auch wenn ich mir die Konkurrenz ansehe. Dennoch sind die Geräte bis ins Jahr 2017, also über Monate, ausverkauft. Marketing? Künstliche Verknappung? Vielleicht, glaube ich aber nicht – Apple selbst sagt jedoch, dass dieses MacBook Pro wie noch kein anderes nach einer Produktvorstellung geordert wurde. Vielleicht weil der Zeitraum zwischen diesem und dem letzten ziemlich lang war und viele Kunden gewartet haben. Vielleicht auch weil es ein ganz gutes Gerät ist. Apple kann sich erlauben für die gut zu bewerbende Touchbar einen Aufpreis verlangen. Ich denke, dass die kommenden Updates dieses MacBook Pro u.a. mit einem geringeren Preis beworben werden (können) und sich dann auf dem des vorherigen Modells einpendeln werden. Zweifellos wurde an dem MacBook bzw. der Touchbar lange entwickelt und das will nun irgendwie finanziert werden.

Nicht alles ist schlecht. Es hat eine tollte Tastatur, ein riesiges perfekt arbeitendes Touchpad, einen exzellenten Bildschirm. Touch ID und eine erstklassige Verarbeitung und machen das MacBook zu einem Produkt, welches für die meisten User das ideale Arbeitsgerät ist. Es ist aber auch so, dass Apple die Kritikpunkte nicht überhören kann. Und es sind derzeit nicht die einzigen, die sich der Konzern anhören muss.