Fernsehen im Jahr 2015

In Caschys Blog wurde heute verlautbart, dass Fernsehen in der jungen Generation eher ein Medium ist, welches sich nach und nach in die tieferen Jagdgründe verabschiedet.

Ich habe viel mit Studenten Anfang bis Mitte 20 zu tun und niemand aus meinem Bekanntenkreis nimmt tatsächlich noch aus dem Fernsehen Sendungen auf. Eher wird das TV-Programm zur Berieselung genutzt und ansonsten eben über Streaming-Anbieter mal ein Film oder eine Serie geschaut. Das klassische Schema „Wenn ich nicht daheim bin, nehme ich meine Lieblingssendung auf, damit ich sie später gucken kann“, gilt für andere Generationen aber durchaus noch.

Ich zähle mich als Endzwanziger mal mit zu dieser Generation und muss widersprechen. Ich denke zwar auch, dass sich andere Medien weiter entwickeln und auch hier die Marktanteile weiter (rasant) steigen werden, aber das Fernsehen ist noch lange nicht tot. Jedenfalls nicht unter den aktuellen Bedingungen in Deutschland.

Zum einen finde ich nicht, dass alles was im linearen Fernsehen läuft, blödsinn ist. Bei den eingekauften Sendungen, also Fernsehserien und Filme, ist man sich wohl einig, dass dort viel gutes dabei ist. Zwar kann man diese Sachen (meist sogar besser) über Streamingplattformen sehen, aber hier gibt es (in Deutschland) einen entscheidenen Nachteil: die Sachen gibt es (meistens) entweder nur mit großer Verzögerung oder gleichzeitig zur Ausstrahlung im Fernsehen zu kaufen. Warum soll ich bei iTunes 2,50 EUR für eine neue Episode „The Big Bang Theory“ zahlen, wenn ich sie am selben Tag kostenlos auf ProSieben sehen kann? Von Netflix oder Amazon Prime brauche ich gar nicht zu reden – hier dauert es meistens noch länger, bis die Episode verfügbar ist. Wieso also nicht den Festplattenrecorder (ich habe eine VU+ Duo2) programmieren und es sich ansehen, wenn Zeit dafür ist – oder vielleicht sogar „live“ im Fernsehen, wenn man gerade Lust hat.
Hier bestätigen Ausnahmen natürlich die Regel. Netflix und Amazon Prime machen hier einen immer besseren Job und haben inzwischen auch für deutsche Kunden etwas mehr zu bieten (wobei es bei „House of Cards“ mit dem Sky Deal mehr als vermasselt wurde). Ich habe kein Sky Abo. Um nicht drei Jahre auf eine neue Staffel von „Game of Thrones“ warten zu müssen, greife ich hier auch auf den iTunes Season Pass zu, welcher glücklicherweise mit der deutschen Ausstrahlung bei Sky parallel verfügbar ist.

Die legalen Wege sich abseits vom Fernsehen halbwegs aktuell eine TV Serie anzusehen, sind in Deutschland noch nicht weit genug fortgeschritten, um von diesem Medium meiner Meinung ganz abzusagen. Es würde gehen, wenn man die OV Season Pässe bei iTunes oder Amazon kauft; es gibt aber wenige Serien, die ich so dringend sehen muss, dass ich nicht auf die Synchro warten kann. Ich mag die deutsche Sprache und das meiste wird auch ganz gut synchronisiert).

Zurück zum Thema. Auch wenn man sich den ganzen fiktionalen Content auch (meistens, irgendwie) irgendwo anders besorgen kann, gibt es noch den informationellen Content. Hier gibt es sehr viel Schwachsinn. Kein Mensch auf diesem Planeten braucht Sendungen wie „Bauer sucht Frau“ oder „Die Super Nanny“. Und was das sich bestimmte Formate als Nachrichtensendung bezeichnen dürfen, sollte verboten werden. Ich will nicht wissen, wie viele meiner Mitbürger diesen Schwachsinn glauben, der da versendet wird. Als Lichtblick empfinde ich hier aber die Öffentlich-rechtlichen Sender. Tagesschau und heute journal, sowie div. Magazine sind sehr sehenswert – kosten ja schließlich auch genug. Und wenn ich schon dafür zahlen muss, dann möchte ich auch etwas davon haben. Nachrichten nur online sind mir einfach zu wenig (wenn auch eine wichtige Ergänzung). Mit dem Mediatheken gehen die Sender einen Schritt in die richtige Richtung. Der Zugang zu diesen finde ich aber noch nicht einfach genug – das muss er sein, um Massentauglich zu werden. Wenn ich mir eine Sendung hieraus nicht auf dem Computer, Tablet oder Smartphone – sondern auf dem Fernseher ansehen möchte, muss ich mir momentan mit AirPlay behelfen. Das funktioniert. Aber es ist nicht Massentauglich. Vielleicht ändert sich das, mit einer ZDF App auf einem neuen Apple TV – und der Einbindung in Contentübergreifende Suche.

Kennt jemand „heute+“. Das ZDF hat sein Nacht-Nachrichtenmagazin eingestampft und diese „junge“ Sendung gestartet. Sie läuft um 23:00 Uhr live im Internet und gg. Mitternacht dann als Aufzeichnung im Fernsehen. Zudem gibt es div. social Schnittstellen um mit den Zuschauern (irgendwie) in Kontakt zu treten. Ob man wirklich mit einem iPad im Nachrichtenstudio stehen muss und aus Periscope die aktuellen Kommentare vorzulesen, weiß ich nicht. Aber der Grundgedanke ist richtig.

Dann gibt es noch ein paar andere Sendungen, wie „Circus HalliGalli“. Die gibt es auch online. Hat aber schon mal jemand die Medientheken (wenn man es so nennen will) von ProSieben oder RTL versucht zu nutzen? Das halte ich für praktisch unmöglich. Also doch wieder lineares Fernsehen.