Apple Music … oder das was es werden sollte?

Apple Music ist da. Im Zuge der Testphase habe ich meine Anit-Netzneutralitäts-Telekom-Spotify-Option gekündigt (was online mit einer Fehlermeldung endete und nur telefonisch ging) und mich auf das Abenteuer Apple Music eingelassen.

Vorweg: die Migration vor einigen Wochen Aperture -> iCloud Foto Bibliothek hat ohne größere Fehler funktioniert. Ich neige sogar dazu zu sagen, dass ich den verbesserten Sync Features die Pro-Features von Aperture nicht mehr nachtrauere. Als es am Dienstag 18 Uhr losging, wurde mein Eindruck immer größer dass irgendwas nicht stimmt. iTunes vermittelte mir den Eindruck, als würde man mit mit dem Auto genau auf eine frisch geteerte Straße fahren. Es sieht vielleicht fertig aus – aber das ist es leider noch nicht ganz.

Foto: Autobahnpolizeiinspektion Thüringen

Foto: Autobahnpolizeiinspektion Thüringen

So ähnlich muss es sich im Untergrund meines Mac gefühlt haben, als ich das Update von iTunes 12.2 installiert habe.

Aber der Reihe nach. Da Spotify leider keine (einfache) Möglichkeit bietet meine Playlists zu exportieren, welche ich dann in iTunes wieder importieren kann, habe ich angefangen die Titel einzeln zu suchen und hinzuzufügen. Ein warmer Sommerabend sollte hier ausreichen. Irgendwann habe ich mit erschrecken festgestellt, dass ich an die 16.000 Titel mehr in einer Playlist hatte, als geplant. Bei genauerem hinsehen fiel auf, dass es sich um denselben Titel handelte, welchen ich unter Garantie nicht 16.000 mal hinzugefügt habe (denn auch das hinzufügen ist kein Benutzerfreundlicher Workflow, wenn wir gerade dabei sind – irgendwie fehlt bei jedem 10. Klick die Liste der Playlists, in die ich den Titel einfügen will).

Screenshot

So gut ist der Titel nun auch nicht

Der Screenshot ist übrigens ganz gut gewählt: wo sind denn die AlbunCover? Und wieso sind nach einem Neustart von iTunes oder der Music App auf dem iOS gerät jedes Mal andere Cover nicht sichtbar? Es sind auch nie dieselben Cover eines Titel/Album auf iOS oder iTunes nicht sichtbar.

Glücklicherweise musste man die Titel nicht einzeln entfernen. Markieren und ENTF funktioniert. Nicht so glücklich: Das passierte mehrere Male beim bestücken der Playlists. Auch nicht so toll: Wenn ich sie in iTunes gelöscht hatte, dauerte es ein paar Stunden, bis die Songs auch bei Apple wieder raus sind. Eine Playlist auf dem iOS Gerät mit der Random Funktion abspielen zu lassen funktioniert nicht so gut, wenn ein Titel überdurchschnittlich oft aushaucht.

In einem Podcast habe ich diese Woche gehört, dass jemand mehrere Millionen desselben Titel in seinem iTunes hatte und dieses dann auch nicht mehr startete. So schlimm war es dann bei mir doch nicht. Was mich aber wundert ist, dass es ja offensichtlich kein Einzelfall ist, ich bei Apple in den Support Communitys dieses Problem (bis gestern) nicht finden konnte.

Was noch? Wieso kann ich Titel über die Suche in Apple Music finden und abspielen. Wieso kann ich sie dann in eine Playlist hinzufügen, aber nur auf einem iOS Gerät hören. In iTunes aber nicht über die Playlist – nur über die Suche. Mein Gedanke war, der Künstler (es ging nicht um einen Taylor Switft Titel) wollte, dass man die Titel überall hört und dies etwas einschränken lies von Apple. Aber das erklärt dann nicht, warum man über die direkte Suche des Titel/Album problemlos auf Play drücken kann.

iTunes - Play geht nicht

iTunes – Play geht nicht

 

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iOS – alles bestens

Dann noch ein paar Kleinigkeiten – Wieso sind Audiobooks nun in iBooks. Jedenfalls auf den mobilen Geräten? Passt meiner Meiner Meinung nach nicht. Eine eigene App wäre besser. Auch sind beim Update bei mir alle Titelbezeichnungen der Audiobook Einzeltitel verloren gegangen. Wo die Tracks früher hießen „1. Einleitung, 2. Hauptteil, 3. Schluss“, steht jetzt nur noch „1. Titel 2, 2. Titel 2“. In iTunes sind die Daten noch da, worüber ich sehr froh bin, ich hätte sie aber auch gerne wieder auf dem iOS Gerät.

Von diesen ganzen Dingen abgesehen, die vielleicht ein bisschen jammern auf hohem Niveau aber ein paar der Probleme nerven schon. Über die für mich noch unübersichtliche Benutzerführung verliere ich mal nur wenige Worte. Spotify ist hier sicher auch ganz und gar nicht optimal und nach ein paar Tagen „verstehe“ ich iTunes da schon etwas besser (die iOS App ist um längen besser/durchdachter gelungen, als sein großer Bruder). Schön wäre es, wenn man schneller erkennen könnte, was eigene Songs sind und was geliehene Streams sind. Es wird mir etwas zuviel gemischt bzw. nicht genug differenziert. Vielleicht zeigt sich in Zukunft aber, dass dies der richtige Weg ist um ein einheitliches Gesamtbild zu präsentieren.

Was Apple auf jeden Fall richtig gemacht hat, ist die dreimonatige Testphase. Die werden die meisten User auch brauchen um sich zu entscheiden, welchem Streamingdienst sie ihr Geld geben wollen. Angeblich gibt ein Durchschnittlicher User in Deutschland im Jahr 60 EUR für Musik aus. Beim Streaming sind es 120 EUR. Apple wird es schaffen neue Kunden auf dieses Geschäftsmodell aufmerksam zu machen. Aber ob sie es schaffen, dass die Kunden bei Apple bleiben? Ich bin mir da nicht so sicher.